Susanna

Susanna Kuschek

Ystader Straße 10

10437 Berlin

 

Telefon: +49-30-34650220

Telefax: +49-30-45802363

susanna_kuschek@yahoo.de

 "00074" Kette, Silber

Es gibt Möglichkeiten aus kühlem Silber. Das Metall bleibt spröde, bietet sich nicht an. Die Form ziert nichts und niemanden, sie bleibt selbstgenügsam, solitär. Alterslose Gewächse, metallisiert in unvordenklicher Zeit oder ungewisser Zukunft. Metall erstarrt in den Gefässen von Pflanzen eines ausserzeitlichen Ozeans. Durch den hohlen Stiel passt der Finger. („Calliactis“, Ringe, Silber, 1999)

In anderen Fällen finden sich Überbleibsel einer Landung – Bauteile extraterrestrischer Gerätschaften mit geheimer Funktion. („Mariposas“, Ringe, 1997)

Diese Gegensätze haben ihr eigenes Flüstern. Sie brauchen uns nicht und folgen ihren eigenen Gesetzen.

Die Formen der Umgebung werden Ornament in den Architekturserien („Sichten“, Broschen, Foto, Giessharz, 2001). Fotos von Gebautem liefern eine Struktur zur Verwertbarkeit im Dekor. Reihung, Wiederholung, Vereinnahmung des Alltäglichen zum Preziosen. Sampling des Übergeordneten hin zum Verfügbaren. Wir bewegen uns durch den Dschungel des Erdachten und heften ihn uns an. Eine Archäologie des Faktischen unter Giessharz.

Silber spreizt sich in Stangen und Kugelgelenken, sperrt sich über dem Hals, ignoriert den Körper, ziert sich. Die Raffinesse der Verbindung bleibt im Material, bei der Zähmung am Körper entsteht eine kapriziöse Freundschaft. Das zierliche darf sich wieder erlauben. („Io“, Kette, Silber, 1998;  „Mo“, Kette, Silber, 2000;  „Mika“, Kette, Silber, 2001)

Zartheit überrascht in der Zusammenkunft dreier Fäden, unerwartet entdeckt im nüchternen Licht eines Büros oder einer Besenkammer. („Iternity“, Halsschmuck, Gold, Platin ,Stahl, 2001)

In der Ästhetik des Wehrhaften behaupten sich Scheiben, Schellen, Stacheln. Besessen von der Reihung, Wiederholung, Vereinnahmung des Vergangenen zum Verfügbaren. („Ojo“, Kette, Silber, Gold, 2001)

Das barocke Ausschweifen eines Paco Rabanne eingeschmolzen auf die trockene Alltäglichkeit des Heute. „Lapidary“ ist ein Edelsteinschleifer. Verwandtschaft mit einem alten Popsong, transferiert in die schnöde Pragmatik des 21. Jahrhunderts. Überlebenstauglich in der urbanen Wirklichkeit und schmachtend genug, um sie für Momente zu verlassen.

Silbermünzen sind verkettet und gereiht zu einem Schatz mit dem Charme von Gullideckeln – es riecht nach Asphalt. Am Hals entfaltet sich die Heiterkeit eines vergessenen Traums vom Sterntaler. („00074“, Kette, Silber, 2003)

Mit den Pins erhebt sich mit grossem Ernst das ganze Thema des Dekors („pins“, Broschen, 2002). Mit ihnen wird dekoriert und ordiniert. Mitmachen wird suggeriert, zelebriert und verweigert in derselben Geste. Stumme Labels, die Konformität zitieren und ihr widerstehen in einem eigenwilligen Bekenntnis zum Entzug. Individualität ist ein widerspenstiges Ausweichmanöver vor dem Hintergrund von Anforderungen, Zuweisungen und Zuordnungen. Selbst verordnet. Form verblasst. Form folgt Uniform, abgebrochenes Corporate Design, verräterisch beliebig. Immer noch Zeichen von Rang und Kaste, zugleich leicht wie eine Tageslosung, herabgefallen aus fremden Welten.

Text: Christina Bitter

 

Lebenslauf

geboren in Berlin

1983-1986

Goldschmiedelehre

1991-1997

Kunststudium Bildhauerei an der Hochschule der Künste Berlin

1997

Meisterschüler

 

 

Messen

Tendence Frankfurt

Inhorgenta München

Ausstellungen (Auswahl)

1999

”Ich trage Schmuck” Schmuck und Fotografie

Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

2001

”Schmuck 2001”, Handwerksmesse München

2002

”Schmuck 2002”, Handwerksmesse München

2002

”extrakt”, junge Schmuckdesigner in Deutschland, Bauhausarchiv Berlin

 

 

[zurück]